Kaiser Hadrian (76-138) war in den Jahren von 117 bis 138 der 14. römische Kaiser. Er war gebildet und welterfahren und förderte die Künste. Während seiner zahlreichen Reisen nahm er die Einflüsse fremder Kultur und Kunst auf und ließ diese in die Gestaltung seines Anwesen bei Tivoli einfließen.
Vor allem förderte Hadrian die Künste. So vollendete er auch das Olympieion, den gewaltigen Tempel des olympischen Zeus in Athen. Seine Villa in Tibur (Tivoli) war das größte römische Beispiel eines alexandrinischen Gartens, der eine heilige Landschaft und Erinnerung an die von ihm bereisten Gegenden gestaltete. Das Gelände ist zum großen Teil zerstört, da Kardinal d’Este viel von Hadrians Marmor zum Bau seiner eigenen Villa d’Este fortschaffen ließ. Trotzdem ist die so genannte Villa Adriana Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und vor allem aufgrund der eklektischen Zusammenstellung unterschiedlichster Baustile (römisch, griechisch, ägyptisch) einzigartig.
Trotz der Zerstörungen, die u.a. durch den Abbau des Marmors durch Kardinal d’Este vorangetrieben wurden, ist es gelungen, den Ausgrabungen Details über das Alter und die Nutzung der einzelnen Gebäude zu entlocken, so dass das Leben der Antike förmlich Gestalt annimmt.
Für einen Rundgang durch das Gelände der Hadrians-Villa sollte man sich viel Zeit und etwas Verpflegung mitnehmen oder im Kiosk am Eingang kaufen. Die großen Grünflächen und Bänke laden zum Verweilen und Träumen ein von einer Zeit, die damals als sehr schnelllebig galt und in der sich große Entwicklungen und Veränderungen abspielten.
Das über Aquädukte aus den Bergen herantransportierte Frischwasser sorgte für eine Hygiene, die später, in den dunklen Zeiten des Mittelalters ihresgleichen suchte. Ein beliebtes Freizeitvergnügen der Römer war der Aufenthalt in den Thermen, die elegant geschmückt waren und die durch Sonne sowie durch Fußboden- und Wandheizungssysteme gewärmt wurden.
Entsprechend des sozialen Standes der Bevölkerung gab es mehrere entsprechend mehr oder weniger luxuriös ausgestattete Thermen verschiedener Größe.
Das Gelände der Villa Adriana umfasste ungefähr 120 ha und es lebten ca. 20000 Menschen da.

Zur Versorgung der einzelnen Einrichtungen mit Waren und Lebensmitteln waren unterirdische Gänge angelegt, in denen die Sklaven die Güter transportierten.
Bis zu 7 m unter der Erde befinden sich die Versorgungsstraßen, ähnlich einem modernen Metronetz.
Wie in einer Stadt gab es Feuerwache, Bibliothek, Arena für Gladiatorenkämpfe,
ein griechisches Theater, einen Fischteich mit Frischfisch.
Einige der typischen Bauwerke und Gebäude der Hadrians-Villa sollen an dieser Stelle näher erklärt werden.
Direkt an die nördliche Begrenzungswand der Villa Adriana mit dem großen Zugangstor eröffnet sich der Pecile.
Nach griechischem Vorbild wurde dieser rechteckige Kolonnengang in einem großzügigen Garten um einen künstlichen Teich angelegt. Dieser schattige Gang war bei Sonne und Regen als Spazierweg nutzbar und bot Ruhe und Einsamkeit, geschützt vor den Blicken von außen. Sieben Rundgänge entsprachen genau zwei Meilen (ca. 3 km). Die römische Medizin verordnete diese Art von Spaziergang nach dem Mittagessen.

Auf der Südseite des Pecile befanden sich in vier Etagen die kleinen dunklen Zimmer ohne Fenster, die offensichtlich als Unterkunft für das Dienstpersonal dienten, wie aus den Latrinen geschlussfolgert wird. Das 15 m hohe Gebäude befand sich an der Straße und wurde wahrscheinlich auch als Lagerräume genutzt.
Im Jahr 2002 wurde entlang der Straße zum großen Vestibolo ein Tempel entdeckt, der im Jahr 130 als eines der letzten Bauwerke errichtet, aber durch den Tod Adrians nie fertig gestellt wurde. Der Tempel war als Erinnerung an seinen jungen Geliebten Antino gedacht, der im Nil ertrunken war.
Der Palast des Imperators - Der Palast ist das älteste Bauwerk der Villa Adriana aus einer Bauperiode von 118 bis 125 n.Chr.
Der Herrschaftssitz umfasste eine Fläche von 50.000 qm und bestand aus drei Gruppen von Wohn- und Repräsentationsräumen. Ein großer Hof war mit einem Säulengang umgeben. Die reiche Dekoration bestand aus geometrischen Mosaiken aus Muscheln und kleinen Marmorquadraten.

An das Hauptgebäude schloss sich die Piazza d’Oro an. Die reich geschmückte Piazza mit 60 achteckigen Säulen, in deren Mitte das monumentale „Nymphäum des Palastes“ befand, benannt wegen der beiden halbrunden Wasserbecken mit Fontanen, die im Sommer als Wohnraum unter freiem Himmel genutzt wurden.
Durch einen Hof gelangt man zur “Sala con Pialastri Dorici”, einer rechteckigen Grundfläche mit einem breiten Arkadengang aus dorischen Säulen mit Mosaikfußböden aus rhombenförmigen Marmorstücken. Nicht belegt ist, ob der Innenhof in Form eines Pavillons bedacht oder ein einfacher Innenhof war.

Auf einer kleinen künstlich angelegten Insel befand sich ein Domus in Miniaturausführung mit rundem Querschnitt. Es war mit allem ausgestattet: Innenhof, Speiseraum, Schlafraum, Latrine und kleinen Thermen.
Hierhin zog sich Adriano zur Meditation zurück. Dieser Bereich war nicht zugänglich, da die Insel von einem Kanal umflossen wurde. Über zwei kleine Zugbrücken, die nur von der Insel aus betätigt werden konnten, war die Insel erreichbar.
Zusätzlich war der Kanal von einem Laubengang umgeben, der innen mit Säulen und außen mit einer Mauer umgeben war, was das Domus nochmals umschloss.
Das Domus ist ein Beispiel für die technischen Innovationen der Antike und es wird vermutet, dass Hadrian direkt an der technischen und künstlerischen Umsetzung mitwirkte.
Die Anwendung von Bauelementen in Leichtbauweise und hohe Säulen gepaart mit einer gekonnten Linienführung kreieren einen großen Raum und Lichteffekte auf dem umgebenden Kanal.
Der große rechteckige Raum mit einer halbrunden Apside mit sieben Nischen von 3 m Höhe befand sich zwischen dem Pecile und dem Teatro Marittimo. Die Archäologen sind sich über die Nutzung nicht einig: Einige vermuten darin die Bibiliothek, andere deuten ihn als Versammlungssaal des Konzils.

In eine enges Tal eingebettet, hat Adriano ein großes Wasserbecken geschaffen, das an den Kanal Canopo erinnert, der Alessandria mit dem Nil verband.
Im Süden des Canopo befand sich ein Nymphäum (Serapeo) für nächtliche Sommerfeste Bankette.
Das Wasserbecken (119x18m) wurde auf der östlichen Seiten von einer doppelten Säulenreihe und auf der westlichen Seite von einer einfachen Säulenreihe umfasst, die in der Mitte durch sechs Statuen unterbrochen wird, davon vier als tragende Statuen und zwei Silenen.
Die Kolonnenreihe an der Kurve wird durch griechische Götter geziert.

Die Statuen im Wasser stellen die Personifizierung des Nil, des Tiber und des Krokodils dar.
Die Originalfiguren befinden sich im Museum der Villa Adriana.
Man vermutete eine Unterkunft der Prätorianer (römische kaiserliche Garde), woraus der Name schließen lässt, den man dem mehrstöckigen Gebäude gab. Heute ist man jedoch davon überzeugt, dass die unteren drei Etagen als Unterkünfte des Dienstpersonals dienten, während die obere Etage wahrscheinlich Gästen vorbehalten war.
Die unteren Etage waren, ähnlich wie Cento Camerelle, einfach ausgestattet und über Holztreppen von außen erreichbar. Die obere Etage war dekoriert und befand sich auf der Höhe der Bereiche, die vom Kaiser frequentiert wurden.

Die große Thermalanlage ist weniger dekoriert als die kleine Thermalanlage, von der man ausgeht, dass sie dem Imperator und seinem Hof vorbehalten war.
Beide Thermen sind nach typisch römischem Vorbild aufgebaut, das man auch aus anderen Ausgrabungsstätten kennt (Ostia Antica).

Die Thermen bestehen aus sudario (Raum für körperliche Ertüchtigung zum Schwitzen), caldarium (beheizter Wärmeraum), tepidarium (Raum mit Wannen mit lauwarmem Wasser), frigidarium (gekühlter Raum mit Frischwasserwannen) und palestra (Sporthalle).
Adriano hatte für den Aufenthalt in den Thermen eine Trennung nach Geschlecht angeordnet.
Das hohe Gebäude mit Fischteich befand sich unweit der kleinen Thermen und ragte heraus mit seinen drei Stockwerken mit internen Steintreppen. Hinter dem Gebäude befand sich ein rechteckiger Fischteisch, um den ein Kreuzgang mit 40 Marmorsäulen lief.

Höchstwahrscheinlich war das reich dekoriert Gebäude die Residenz des Imperators. Im Winter konnte das Gebäude geheizt werden. Die herrschaftliche Residenz befand sich im oberen Stockwerk, während sich in der ersten Etage die Serviceräume befanden. Große Fenster öffneten den Blick auf die Villa und das Nymphäum.
Das Bauwerk an der südlichen Begrenzung der Adrianischen Villa wird durch einen vierseitigen Kreuzgang umschlossen. Säulen sind aus grünem ägyptischem Granit und Böden aus Marmorstein schmückten den Kreuzgang, der einen großen Garten mit Wasserbecken umfasste.

Die Hecken und Wasserbecken sowie der große Empfangssaal wurden wahrscheinlich für Bankette und Empfänge genutzt. Ein monumentales Nymphäum mit Wasserspielen machten den Aufenthalt in diesem Teil der Villa sehr angenehm.
Etwas abgelegen und durch einen schönen Spazierweg vom Museum durch einen Olivenhain erreichbar, befindet sich der Aussichtsturm Rocca Bruna. Das runde Gebäude hat drei Etagen und es wird vermutet, dass es Kaiser Hadrian als astronomisches Observatorium und als Aussichtsturm diente.

Der Fußboden zeigt noch Spuren von mehrfarbigem Marmor, der Muster aus konzentrischen Kreisen darstellte.
Es wird angenommen, dass das mehrstöckige Gebäude militärischen Zwecken und als Feuerwache diente. Es ist ähnlich aufgebaut wie ein Gebäude in Ostia Antica, woraus der Einsatz geschlussfolgert wurde.

Neben dem Wohnkomplex von Kaiser Hadrian und verbunden durch eineb Korridor, befand sich das Thermalbad der Villa. Der runde Raum war auf der Südseite mit großen Glasfenstern ausgestattet, um in den Nachmittagsstunden die größtmögliche Menge an Wärme hereinzulassen. Wände und Fußboden waren mit doppeltem Boden versehen und konnten mit Heißluft beheizt werden.

Im Innenraum befanden sich ringsum Marmorbänke für die Saunagäste. Über ein zentrales Loch „lumen“ in der Decke konnte die Dampfmenge im Raum geregelt werden.

Fast am Ausgang der Hadrians-Villa ist der Venere-Tempel gelegen. In der Mitte ist eine Statue der Venere (Nachbildung) mit den Marmorsäulen des Tempels in kreisförmiger Anordnung zu bewundern. Die Originalstatue befindet sich im Museum der Villa Adriana neben dem Canopo.
